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Aktuelle Einordnung: Hantavirus-Fall in der Schweiz – was bedeutet das?

Geschrieben von Prof. Dr. med. Jan Fehr | May 12, 2026 7:25:46 AM

Hantavirus-Fall in der Schweiz

Wie unser Klinikleiter Prof. Dr. Jan Fehr die Situation einordnet

 

Aktuell wird über einen bestätigten Hantavirus-Fall in der Schweiz berichtet, der im Zusammenhang mit Hantavirus-Fällen auf einem Kreuzfahrtschiff steht. Besonders im Fokus steht dabei das sogenannte Andesvirus. Im Unterschied zu den in Europa bekannten Hantaviren kann dieses in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

 

Prof. Dr. Jan Fehr, Klinikleiter und Chefarzt des Zentrums für Reisemedizin UZH, ordnet die Situation ein: 

 

Hantavirus-Infektionen im Zusammenhang mit Reisen sind in der Reisemedizin selten. Wir kennen Hantaviren auch in unseren Breitengraden in Europa. Die Übertragung geschieht hier jedoch über Nagetiere und nicht direkt von Mensch zu Mensch, wie dies beim Andesvirus der Fall sein kann. Die Hantaviren in Europa verlaufen häufig deutlich milder als Infektionen, die durch das Andesvirus ausgelöst werden und die Lunge schwer in Mitleidenschaft ziehen können. In Europa können Hantavirusinfektionen sogar ganz symptomlos verlaufen.

 

Das nun diskutierte Andesvirus unterscheidet sich davon: Es kann in seltenen Fällen bei engem und längerem Kontakt von Mensch zu Mensch weitergegeben werden und schwere Verläufe mit Lungenbeteiligung verursachen.


 

Was bedeutet das für die Bevölkerung?

Das Risiko für die breite Bevölkerung bleibt gering. Eine flüchtige Begegnung im öffentlichen Raum, etwa auf der Strasse oder im Tram, gilt nicht als typische Übertragungssituation. Entscheidend sind enger Kontakt und längere Exposition gegenüber einer erkrankten Person.

 

Eine Pandemiesituation wie bei SARS-CoV-2 steht laut Prof. Dr. Jan Fehr aktuell überhaupt nicht im Vordergrund. Die Ausgangslage ist ganz anders als damals Ende 2019/Anfangs 2020. Dennoch ist es wichtig, die Erkrankung im Individualfall ernst zu nehmen und bei entsprechenden Symptomen nach einer Reise medizinischen Rat einzuholen und weitere Personen vor einer möglichen Übertragung zu schützen.

 

Worauf sollten Reiserückkehrende achten?

Wer nach einer Reise, besonders nach einem Aufenthalt in tropischen oder subtropischen Regionen, Fieber oder grippeähnliche Symptome entwickelt, sollte ärztlichen Rat einholen. Dazu gehören zum Beispiel Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Übelkeit oder ein deutliches Krankheitsgefühl.

 

Wichtig ist dabei nicht nur Hantavirus: Bei Fieber nach Reisen müssen auch andere Erkrankungen wie Malaria oder bakterielle Infektionen rasch abgeklärt werden.

 

Unser Fazit

Für die breite Bevölkerung besteht aktuell kein Grund zur Panik. Für Reiserückkehrende gilt jedoch: Fieber und grippeähnliche Beschwerden nach einer Reise sollten ernst genommen und medizinisch durch infektiologische respektive tropen- und reisemedizinische Fachexpert:innen abgeklärt werden— insbesondere nach Aufenthalten in Regionen, in denen bestimmte Infektionskrankheiten vorkommen können.

 

Bei Beschwerden nach einer Reise beraten wir Sie gerne in unserer Sprechstunde für Reiserückkehrende. Hier erfahren Sie mehr!

 

 

Infobox

Hantaviren sind Viren, die weltweit bei kleinen Nagetieren wie Mäusen oder Ratten vorkommen. Infizierte Tiere scheiden das Virus über Speichel, Urin und Kot aus. Menschen können sich durch Bisse, direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen sowie durch das Einatmen von kontaminiertem Staub anstecken.

Eine Hantavirus-Infektion verläuft in vielen Fällen unbemerkt. Wenn Symptome auftreten, beginnen sie meist plötzlich mit hohem Fieber und grippeähnlichen Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen. Je nach Virustyp kann die Erkrankung unterschiedlich schwer verlaufen und unter anderem die Nieren oder die Lunge betreffen.

Gegen Hantaviren gibt es keine zugelassene Impfung. Der wichtigste Schutz besteht darin, den Kontakt zu Nagetieren und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Die Schweiz ist laut Bundesamt für Gesundheit kaum betroffen; in Europa werden die meisten Fälle unter anderem aus Deutschland, Finnland, Österreich und Slowenien gemeldet.

 

 Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG): Hantavirusinfektionen. Abgerufen am 11.05.2026. https://www.bag.admin.ch/de/hantavirus-infektionen