Tuberkulose – Ist sie heute noch ein Risiko? Moderne Fakten und Mythen
In Ländern mit niedriger Tuberkulose-Inzidenz wie der Schweiz wirkt Tuberkulose (TB) oft wie eine Krankheit aus vergangenen Zeiten. Sie ist jedoch seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Formen bekannt und war lange von Angst, Aberglauben und Missverständnissen umgeben. Im Mittelalter wurde beispielsweise die Skrofulose, eine Form der Tuberkulose, die die Lymphknoten befällt, in England und Frankreich als «king’s evil» bezeichnet, weil man glaubte, sie könne durch die Berührung eines Königs geheilt werden.
Tuberkulose – Ist sie heute noch ein Risiko? Moderne Fakten und Mythen
In Ländern mit niedriger Tuberkulose-Inzidenz wie der Schweiz wirkt Tuberkulose (TB) oft wie eine Krankheit aus vergangenen Zeiten. Sie ist jedoch seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Formen bekannt und war lange von Angst, Aberglauben und Missverständnissen umgeben. Im Mittelalter wurde beispielsweise die Skrofulose, eine Form der Tuberkulose, die die Lymphknoten befällt, in England und Frankreich als «king’s evil» bezeichnet, weil man glaubte, sie könne durch die Berührung eines Königs geheilt werden.
Doch Tuberkulose ist nicht nur eine Krankheit der Vergangenheit. Auch wenn das Risiko nicht überall gleich hoch ist, bleibt TB weltweit ein bedeutendes Gesundheitsproblem und verursacht jedes Jahr schwere Erkrankungen und Todesfälle. Die Mythen, die sie heute umgeben, sind zwar weniger märchenhaft als früher, viele Vorstellungen über die Krankheit sind jedoch noch immer veraltet. Was stimmt also heute noch, und was ist ein Mythos?
Was ist Tuberkulose?
Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird, am häufigsten durch Mycobacterium tuberculosis. Meistens betrifft sie die Lunge, sie kann jedoch auch andere Organe befallen. TB ist eine über die Luft übertragbare Krankheit: Sie verbreitet sich, wenn eine Person mit aktiver Tuberkulose der Lunge oder des Rachens hustet, spricht, singt oder niest. Im Jahr 2024 erkrankten weltweit schätzungsweise 10,7 Millionen Menschen an TB, rund 1,23 Millionen starben daran. Das unterstreicht, dass Tuberkulose weiterhin ein bedeutendes globales Gesundheitsproblem ist. Gleichzeitig gilt: Wird TB früh erkannt und korrekt behandelt, ist sie sowohl vermeidbar als auch heilbar.
Zu den häufigen Symptomen einer aktiven Tuberkulose gehören anhaltender Husten, Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Nachtschweiss. Manche Betroffene haben zudem Appetitlosigkeit, Brustschmerzen oder husten Blut. Unbehandelt kann Tuberkulose schwer verlaufen und lebensbedrohlich werden.
Nach einer Infektion sind grundsätzlich zwei Verläufe möglich:
- Inaktive TB, auch latente Tuberkulose-Infektion (LTBI) genannt: Das Immunsystem kann die Bakterien unter Kontrolle halten, sodass die betroffene Person nicht krank wird und keine Symptome hat. Menschen mit einer latenten Tuberkulose-Infektion sind nicht ansteckend. Ohne Behandlung kann sich daraus jedoch später eine aktive Tuberkulose entwickeln – manchmal erst Monate oder sogar Jahre nach der ursprünglichen Infektion, insbesondere wenn das Immunsystem geschwächt wird.
- Aktive TB-Erkrankung: Die Bakterien vermehren sich und verursachen eine Erkrankung. Betrifft die Tuberkulose die Lunge oder den Rachen, kann die betroffene Person die Krankheit auch auf andere übertragen. Eine aktive TB kann kurz nach der Infektion auftreten, aber auch erst deutlich später, besonders wenn das Immunsystem geschwächt ist. Menschen mit aktiver Tuberkulose haben in der Regel Symptome.
Wie schnell sich eine TB-Erkrankung entwickelt, hängt unter anderem davon ab, wie gut der Körper die Bakterien unter Kontrolle halten kann. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein höheres Risiko, eine aktive Tuberkulose zu entwickeln. Dazu gehören unter anderem Menschen mit HIV sowie Personen mit bestimmten anderen Vorerkrankungen.
Wer ist besonders gefährdet und wo?
Das Risiko für Tuberkulose hängt vor allem von zwei Faktoren ab: von der Exposition und von der Anfälligkeit des Immunsystems. TB wird eher übertragen, wenn über längere Zeit enger Kontakt mit einer ansteckenden Person besteht, insbesondere in Innenräumen mit schlechter Belüftung. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben nach einer Infektion ein erhöhtes Risiko, eine aktive Tuberkulose zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel Kleinkinder unter 5 Jahren, ältere Menschen, Menschen mit HIV/AIDS, Personen mit Mangelernährung sowie Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus.
Tuberkulose kommt weltweit vor, die Krankheitslast ist jedoch ungleich verteilt. Im Jahr 2024 entfielen rund zwei Drittel aller TB-Erkrankungen auf acht Länder: Indien, Indonesien, die Philippinen, China, Pakistan, Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und Bangladesch. Insgesamt wurden die meisten neuen TB-Fälle in der WHO-Region Südostasien registriert, gefolgt von der Westpazifik-Region und der afrikanischen Region.
Ist TB heute noch ein Risiko?
Tuberkulose ist auch heute noch ein bedeutendes globales Gesundheitsrisiko. Sie gehört weltweit weiterhin zu den zehn häufigsten Todesursachen und ist zudem die häufigste Todesursache bei Menschen mit HIV. Im Jahr 2024 erkrankten weltweit schätzungsweise 10,7 Millionen Menschen an TB.
In der Schweiz und in anderen Ländern Mitteleuropas ist Tuberkulose deutlich seltener als in vielen anderen Teilen der Welt. Eine niedrigere Inzidenz bedeutet jedoch nicht, dass TB verschwunden ist. In der Schweiz werden jedes Jahr rund 550 Tuberkulosefälle diagnostiziert. Die meisten Fälle betreffen Menschen, die im Ausland geboren wurden, insbesondere aus Ländern mit hoher TB-Belastung. Unter den in der Schweiz geborenen Betroffenen handelt es sich häufiger um ältere Menschen, die sich bereits in ihrer Kindheit infiziert haben, als Tuberkulose hierzulande noch weiter verbreitet war.
Der BCG-Impfstoff (Bacille Calmette-Guérin), der wichtigste Impfstoff gegen Tuberkulose, gehört für Menschen, die dauerhaft in der Schweiz leben, nicht zu den routinemässigen Impfempfehlungen. In bestimmten Situationen kann er dennoch in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Säuglingen, die sich über längere Zeit in Ländern mit hoher TB-Belastung aufhalten werden. Wenn eine Impfung empfohlen wird, erfolgt sie häufig im Zielland, da eine TB-Impfung in der Schweiz nicht verfügbar ist.
Wie wird TB heute diagnostiziert und behandelt?
Zur Diagnose einer Tuberkulose gehören in der Regel mehrere Bausteine: die Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren wie ein Röntgenbild des Brustkorbs sowie Laboruntersuchungen. Besteht der Verdacht auf eine aktive TB, können Sputum (eine Mischung aus Speichel und Schleim, die aus den Atemwegen abgehustet wird) oder andere Proben untersucht werden, um die Bakterien nachzuweisen.
Um eine TB-Infektion festzustellen, kann entweder ein Bluttest oder ein Hauttest eingesetzt werden. Diese Tests allein können jedoch nicht zwischen einer latenten TB-Infektion und einer aktiven TB-Erkrankung unterscheiden. Dafür sind weitere Abklärungen notwendig.
Beim Zentrum für Reisemedizin wird der Quantiferon®-Test angeboten. Dabei handelt es sich um einen modernen TB-Bluttest zum Nachweis einer Infektion mit Mycobacterium tuberculosis. Er kann über unser Terminbuchungssystem entweder unter «Impfbuch-Check» oder «Reisemedizinische Konsultation» gebucht werden. Reiserückkehrende können uns zur Terminvereinbarung direkt telefonisch oder per E-Mail kontaktieren.
Eine aktive TB-Erkrankung muss mit einer Kombination von Antibiotika behandelt werden, in der Regel während mindestens sechs Monaten. Dabei werden mehrere Medikamente eingesetzt, um das Risiko eines Rückfalls und die Entwicklung von Resistenzen zu verringern. Eine konsequente Einhaltung des Behandlungsplans ist entscheidend, denn Unterbrechungen, falsche Dosierungen oder eine unvollständige Behandlung können die Therapie weniger wirksam machen und zur Entstehung von Resistenzen beitragen.
Tuberkulose: moderne Fakten und Mythen
Tuberkulose ist seit Jahrhunderten bekannt, und viele Vorstellungen, die Menschen noch heute mit ihr verbinden, stammen aus der Vergangenheit. Doch die moderne Medizin hat unser Wissen darüber verändert, wie sich TB verbreitet, wie sie behandelt wird und wer besonders gefährdet ist. Um Tuberkulose heute besser zu verstehen, lohnt es sich deshalb, Fakten und Mythen klar voneinander zu trennen.
Mythos: TB ist eine Krankheit der Vergangenheit.
Obwohl die TB-Inzidenz in vielen Ländern im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen ist, ist Tuberkulose keineswegs verschwunden. Im Jahr 2024 erkrankten weltweit schätzungsweise 10,7 Millionen Menschen an TB, rund 1,23 Millionen starben daran. Tuberkulose gehört damit weiterhin zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit.
Mythos: Man steckt sich über schmutzige Oberflächen, Geschirr oder Berührungen an.
Das stimmt nicht. Tuberkulose ist in erster Linie eine über die Luft übertragbare Krankheit. Sie verbreitet sich, wenn eine Person mit ansteckender TB der Lunge oder des Rachens hustet, spricht, singt oder niest und eine andere Person die Bakterien einatmet.
Mythos: Latente TB ist ansteckend.
Das ist ein häufiges Missverständnis. Menschen mit einer latenten TB-Infektion tragen zwar die Bakterien in sich, sind aber nicht krank und können die Krankheit nicht auf andere übertragen. Ansteckend ist nur die aktive TB-Erkrankung in bestimmten Formen, insbesondere die Lungentuberkulose.
Mythos: Wer geimpft ist, ist lebenslang geschützt.
Die Impfung kann kleine Kinder vor schweren Formen der Tuberkulose schützen. Sie bietet jedoch keinen lebenslangen, vollständigen Schutz vor allen Formen der Erkrankung und verhindert die Übertragung der Lungentuberkulose bei Erwachsenen nicht. Auch geimpfte Personen sollten mögliche Symptome und ein mögliches Ansteckungsrisiko ernst nehmen.
Mythos: In Ländern mit niedriger Inzidenz ist TB praktisch verschwunden.
Tuberkulose ist in vielen Ländern mit hohem Einkommen zwar seltener, sie ist aber nicht verschwunden. Im EU-/EWR-Raum wurden im Jahr 2023 insgesamt 38’993 TB-Fälle gemeldet. Damit bleibt Tuberkulose auch in Ländern mit niedriger Inzidenz ein relevantes Public-Health-Thema, insbesondere für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen.
Mehr als eine historische Krankheit
Tuberkulose mag wie eine Krankheit aus einer anderen Zeit wirken, doch sie gehört noch immer zur globalen Gesundheitsrealität von heute. Zu verstehen, wie sich TB verbreitet, wer besonders gefährdet ist und welche Mythen längst überholt sind, hilft dabei, ein realistischeres und nützlicheres Bild der Krankheit zu gewinnen. Tuberkulose ist vermeidbar und behandelbar – aber nur, wenn Präventionsstrategien ernst genommen, aktive Fälle früh erkannt und Behandlungen konsequent wie verordnet durchgeführt werden.
Referenzen
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