Globale Impfprogramme: Wie Reisende einen Beitrag leisten können
Im Jahr 2024 erschien im Fachjournal The Lancet eine grosse Studie zum Nutzen globaler Impfprogramme. Untersucht wurde, welchen Unterschied Impfungen weltweit in den vergangenen 50 Jahren gemacht haben. Dazu verglichen die Forschenden eine reale Welt mit Impfungen mit einer hypothetischen Welt ohne diese Impfprogramme. Ihre Schätzungen zeigen eindrücklich, wie stark Impfungen die globale Gesundheit geprägt haben dürften: Seit 1974 haben sie demnach rund 154 Millionen Todesfälle verhindert, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern. Zudem legen die Berechnungen nahe, dass Impfungen in diesem Zeitraum rund 10,2 Milliarden gesunde Lebensjahre ermöglicht haben und etwa 40 Prozent zum weltweiten Rückgang der Säuglingssterblichkeit beigetragen haben könnten.
Globale Impfprogramme: Wie Reisende einen Beitrag leisten können
Im Jahr 2024 erschien im Fachjournal The Lancet eine grosse Studie zum Nutzen globaler Impfprogramme. Untersucht wurde, welchen Unterschied Impfungen weltweit in den vergangenen 50 Jahren gemacht haben. Dazu verglichen die Forschenden eine reale Welt mit Impfungen mit einer hypothetischen Welt ohne diese Impfprogramme. Ihre Schätzungen zeigen eindrücklich, wie stark Impfungen die globale Gesundheit geprägt haben dürften: Seit 1974 haben sie demnach rund 154 Millionen Todesfälle verhindert, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern. Zudem legen die Berechnungen nahe, dass Impfungen in diesem Zeitraum rund 10,2 Milliarden gesunde Lebensjahre ermöglicht haben und etwa 40 Prozent zum weltweiten Rückgang der Säuglingssterblichkeit beigetragen haben könnten.
Gleichzeitig machen aktuelle Daten von WHO und UNICEF deutlich, dass diese Entwicklung keineswegs selbstverständlich ist. Im Jahr 2024 erhielten weltweit 14,3 Millionen Säuglinge keine einzige Impfdosis gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis. Das zeigt, dass der Zugang zu Impfungen noch immer ungleich verteilt ist und vielerorts weiterhin Versorgungslücken bestehen.
In einer globalisierten Welt betrifft das nicht nur die Bevölkerung vor Ort, sondern auch Reisende. Infektionskrankheiten machen nicht an Landesgrenzen Halt, und internationale Mobilität kann dazu beitragen, dass sich Erreger rasch über Regionen hinweg verbreiten. Wer reist, profitiert deshalb nicht nur von globalen Impfbestrebungen, sondern kann auch selbst einen Beitrag leisten. Warum das so ist und wie Reisende Verantwortung übernehmen können, zeigen wir in diesem Blogpost.
Wie Impfungen schützen
Impfungen trainieren das Immunsystem, einen Krankheitserreger zu erkennen und sich gegen ihn zu wehren, ohne dass die Krankheit selbst durchgemacht werden muss. So können sie vor schweren Verläufen schützen und dazu beitragen, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten einzudämmen.
Ihr Nutzen geht dabei über den Schutz der einzelnen Person hinaus. Wenn viele Menschen geimpft sind, kann sich ein Erreger schwerer ausbreiten. Durch sogenannten Herdenschutz werden auch besonders verletzliche Gruppen geschützt; etwa Säuglinge, ältere Menschen oder Personen mit bestimmten Erkrankungen, die nicht oder nicht vollständig geimpft werden können. Für manche Krankheiten, darunter etwa Masern, sind sehr hohe Impfquoten nötig, um den Herdenschutz aufrechtzuerhalten und Ausbrüche zu verhindern.
Warum Reisen eine wichtige Rolle spielt
Der Zugang zu Impfungen ist weltweit noch immer ungleich verteilt. Gerade marginalisierte und besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen sowie Menschen in ärmeren oder konfliktbetroffenen Regionen haben oft nur eingeschränkten Zugang zu Impfungen.
Reisen bringt nicht nur Menschen, Kulturen und Gesundheitssysteme zusammen, sondern auch Krankheitserreger. Wer ungenügend geimpft reist, hat nicht nur ein höheres Risiko, selbst an einer impfpräventablen Krankheit zu erkranken, sondern kann Erreger auch über Grenzen hinweg weitertragen. Die Geschichte zeigt zudem, dass die Einschleppung von Infektionskrankheiten in Bevölkerungen mit geringer oder fehlender Immunität verheerende Folgen haben kann. So trugen während der europäischen Kolonisation eingeschleppte Krankheiten wie Pocken, Masern und Influenza zu massiven Bevölkerungsverlusten und tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen bei.
Reisemedizin ist deshalb mehr als individuelle Vorsorge. Sie trägt auch dazu bei, die grenzüberschreitende Verbreitung von Infektionskrankheiten einzudämmen und besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen besser zu schützen.
Was der Impfschutz vor einer Reise umfasst
Wer reist, sollte nicht nur an klassische Reiseimpfungen wie Gelbfieber denken. Ebenso wichtig ist es, auch den Schutz gegen Krankheiten zu überprüfen, die in der Schweiz zu den Routineimpfungen gehören, etwa Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Pertussis oder Polio. Denn Impfprogramme, Impfquoten und der Zugang zur Gesundheitsversorgung unterscheiden sich weltweit teils deutlich. Wer mit Impflücken reist, riskiert deshalb nicht nur, selbst zu erkranken, sondern kann impfpräventable Krankheiten auch in Regionen weitertragen, in denen Ausbrüche besonders schwerwiegende Folgen haben können.
Wie Reisende konkret helfen können
Wichtig ist zunächst eine individuelle reisemedizinische Konsultation. Nicht für jede Reise gelten dieselben Empfehlungen, und die epidemiologische Lage kann sich verändern. Zudem benötigen manche Impfungen mehrere Dosen oder ausreichend Vorlaufzeit vor der Abreise. Das gilt auch für die Tollwutimpfung: In vielen Regionen ist eine Behandlung nach einem Tierbiss nicht jederzeit zuverlässig verfügbar. Gerade dort, wo Impfstoffe oder Immunglobulin knapp sind, kann eine gute Vorbereitung vor der Reise helfen, im Ernstfall nicht auf begrenzte medizinische Ressourcen angewiesen zu sein, die für die lokale Bevölkerung überlebenswichtig sein können.
Darüber hinaus bedeutet gute Reisevorbereitung, die möglichen Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere mitzudenken. Im Sinne des Prinzip des Responsible Global Citizenships sollten Reisende Gesundheitsvorschriften in ihrer Reisedestination beachten, örtliche Empfehlungen befolgen und möglichst nicht reisen, wenn sie krank sind. Wenn Sie gut vorbereitet reisen, schützten Sie deshalb nicht nur sich selbst, sondern handeln auch verantwortungsvoll anderen gegenüber.
Irrtümer rund ums Impfen auf Reisen
„Ich bin gesund, also brauche ich keine Impfungen.“
Auch gesunde Menschen können sich auf Reisen mit Krankheiten anstecken und diese weitergeben. Ein guter Gesundheitszustand ersetzt keinen Impfschutz.
„Ich brauche nur Reiseimpfungen, keine Routineimpfungen.“
Nicht nur klassische Reiseimpfungen wie Gelbfieber, Hepatitis A oder Tollwut sind relevant. Auch Routineimpfungen wie Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio oder COVID-19 sollten aktuell sein. Impfprogramme, Impfquoten und der Zugang zu Impfungen unterscheiden sich weltweit.
„Diese Krankheiten gibt es heute kaum noch, also bin ich nicht gefährdet.“
Dass manche Krankheiten seltener geworden sind, ist vor allem ein Erfolg von Impfprogrammen. Wo Impfquoten sinken, können sie jedoch rasch zurückkehren.
„Wenn ich nur kurz reise oder in einem guten Hotel übernachte, brauche ich keine Impfberatung.“
Das Risiko hängt nicht nur von der Reisedauer oder der Unterkunft ab, sondern auch vom Reiseziel, von geplanten Aktivitäten, der aktuellen epidemiologischen Lage und vom persönlichen Gesundheitszustand. Impfempfehlungen sind deshalb immer individuell.
„Das Risiko ist so klein, dass sich eine Impfung nicht lohnt. Und falls ich doch krank werde, kann man es ja behandeln.“
Das persönliche Risiko lässt sich vor einer Reise oft nicht zuverlässig einschätzen. Zudem lassen sich nicht alle impfpräventablen Krankheiten unkompliziert behandeln, und manche können weitergegeben werden, bevor überhaupt klar ist, dass man erkrankt ist. Impfungen sind deshalb nicht nur eine Frage des individuellen Risikos, sondern auch der Vorsorge und Verantwortung gegenüber anderen.
Verantwortungsvolles Reisen
Globale Impfprogramme haben in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Leben geschützt und die Gesundheit von Millionen Menschen verbessert. Gleichzeitig zeigen bestehende Impflücken, dass dieser Fortschritt nicht selbstverständlich ist.
Wer den eigenen Impfschutz überprüft, empfohlene Impfungen ernst nimmt und gut vorbereitet reist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Reisevorbereitung ist damit mehr als eine persönliche Vorsorgemassnahme. Sie ist auch ein Beitrag zu verantwortungsbewusstem Reisen und zur globalen Gesundheit.
Referenzen
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