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Nachhaltig reisen – So geht’s!

Der globale Tourismus trägt erheblich zum Klimawandel bei und hat zahlreiche negative gesundheitliche Folgen. Es sollte daher im Interesse aller sein, klimafreundlich zu handeln und CO₂-Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren. Laut dem Booking.com Sustainable Report 2024 möchten 75 % der rund 31’000 befragten Reisenden nachhaltiger reisen. Das Bewusstsein unter den Reisenden ist also vorhanden – doch wie gelingt nachhaltiges Reisen?

Nachhaltig reisen – So geht’s!

Der globale Tourismus trägt erheblich zum Klimawandel bei und hat zahlreiche negative gesundheitliche Folgen. Es sollte daher im Interesse aller sein, klimafreundlich zu handeln und CO₂-Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren. Laut dem Booking.com Sustainable Report 2024 möchten 75 % der rund 31’000 befragten Reisenden nachhaltiger reisen. Das Bewusstsein unter den Reisenden ist also vorhanden – doch wie gelingt nachhaltiges Reisen?

Wir wollen ehrlich sein: Reisen, insbesondere in ferne Destinationen, ist nicht besonders nachhaltig. Laut einer Studie, veröffentlicht im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Nature Communications, verursachte die globale Tourismusbranche im Jahr 2019 5.2 Gigatonnen CO₂, was rund 8.8 % der weltweiten Emissionen ausmachte. Zum Vergleich: Die gesamte Schweiz verursacht pro Jahr rund 40 Millionen Tonnen CO₂. Folglich stösst der weltweite Tourismus mehr als 100-mal so viel CO₂ aus wie die gesamte Schweiz in einem Jahr.

Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels gehend abei oft vergessen: Steigende Temperaturen und Luftverschmutzung können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, während die Verbreitung von Infektionen durch den Verlust der Biodiversität begünstigt wird. Prof. Dr. Jan Fehr, Leiter des Zentrums für Reisemedizin, erläutert in einem Interview die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und gibt wertvolle Einblicke, wie der Tourismus die öffentliche Gesundheit beeinflussen kann.

 

Umso wichtiger ist es, beim Reisen bewusste Entscheidungen zu treffen und den eigenen ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. In diesem Kontext gewinnt das Konzept des Responsible Global Citizenship zunehmend an Bedeutung – eine Haltung, die sowohl von Reisenden als auch von der gesamten Gesellschaft unterstützt und gefördert werden sollte.

 

Hier sind Sie einige Tipps, die auf den Empfehlungen von Unisanté, dem Universitätszentrum für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne, und der Schweizerischen Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin (SSTTM)  basieren und Ihnen helfen, Ihre Reisen nachhaltiger zu gestalten.

 


 

Tipp 1: Zug vor Flug

Die Wahl des Transportmittels hat den grössten Einfluss auf die CO₂-Emissionen einer Reise. Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2018 entstehen rund 49 % der Treibhausgase im Tourismussektor durch den Transport.

Daher gilt:

  • Wählen Sie Reiseziele, die gut mit dem Zug oder Fahrrad erreichbar sind. Die Schweiz bietet zahlreiche attraktive Destinationen, die nachhaltig bereist werden können.

  • Nutzen Sie umweltfreundliche Transportmittel wie Bus, Zug oder Fahrrad – auch für kürzere Strecken innerhalb Ihres Reiseziels. Wer etwa von Thailand nach Laos reisen möchte, kann dies beispielsweise bei einer zweitägigen Bootstour auf dem Mekong tun, anstatt zu fliegen.

  • Bei Langstreckenflügen sind Direktflüge klimafreundlicher als Verbindungen mit Zwischenstopps.

  • Zusätzlich können Sie Ihren CO₂-Fussabdruck auf Plattformen wie myClimate berechnen und die klimafreundlichste Transportwahl für Ihre Reise ermitteln.

 


 

Tipp 2: Massentourismus vermeiden

Vermeiden Sie Destinationen, die von Massentourismus betroffen sind – nicht nur sich selbst, sondern vor allem der Umwelt zuliebe. Überlaufene Tourismus-Hotspots belasten sowohl das Klima als auch die lokale Bevölkerung erheblich. Beispielsweise führen hochkonzentrierte Menschenmassen auf Inseln wie Bali zu enormen Umweltproblemen und Ressourcenknappheit. Darunter leidet in erster Linie besonders die einheimische Bevölkerung. Langfristig führt dies jedoch zu globalen Problemen, die uns alle betreffen.

Und mal ehrlich: Wer wartet schon gerne zwei Stunden in der prallen Sonne, nur um einen Tempel zu besichtigen? Erkunden Sie stattdessen weniger bekannte Reiseziele oder gehen Sie bewusst ausserhalb der Hauptsaison in die Ferien – so erhalten sie oft einen authentischeren und tieferen Einblick in die jeweilige Kultur des Landes.

 


 

Tipp 3: Klimafreundliche Unterkünfte wählen

Setzen Sie bei der Wahl Ihrer Unterkunft auf nachhaltige Optionen. Hotels mit anerkannten Umweltzertifikaten wie zum Beispiel Green Key oder Bio-Hotels nutzen erneuerbare Energien, reduzieren ihren Wasserverbrauch und setzen auf regionale Produkte. Achten Sie darauf, die Authentizität der Labels zu überprüfen, da es leider auch unzuverlässige Zertifikate gibt, die Greenwashing betreiben. Zudem wird der Markt für nachhaltigen Tourismus stärker gefördert, wenn mehr Reisende klimafreundliche Unterkünfte bevorzugen und somit die Nachfrage nach nachhaltigen Optionen wächst.

 

Definition Greenwashing

«Greenwashing, auf Deutsch auch oft ‹Grünfärberei› genannt, liegt vor, wenn Produkte oder Verhaltensweisen als umweltfreundlicher dargestellt werden, als sie eigentlich sind. Darunter fallen insbesondere Nachhaltigkeitsversprechen, die übertriebene, falsche oder irreführende Aussagen enthalten. Daher kann oftmals erst nach genauerem Hinschauen zwischen Greenwashing und echtem Umweltengagement eines Unternehmens unterschieden werden.»

Quelle: https://www.myclimate.org/de-ch/informieren/faq/faq-detail/greenwashing-greenwishing-greenhushing-bluewashing/

 


 

Tipp 4: Lokale Gemeinschaften unterstützen

Unterstützen Sie lokale Gemeinschaften, indem Sie Ihr Zimmer in Unterkünften buchen, die von Einheimischen geführt werden. Grosse Hotelketten sind zu meiden, da sie oft nicht nachhaltig sind und nur wenig zur lokalen Wirtschaft beitragen: Die Gewinne fliessen häufig ins Ausland. Ausserdem sind solche Hotels häufig standardisiert und bieten nur begrenzte Einblicke in die echte Kultur des Reiseziels.

Lokale Unterkünfte, wie familiengeführte Hotels, Bed-and-Breakfasts oder Gästehäuser, unterstützen die lokale Bevölkerung direkt und schaffen Arbeitsplätze vor Ort. Diese Unterkünfte zeichnen sich oft durch eine authentischere Atmosphäre aus und bieten Ihnen die Möglichkeit, die Kultur und Traditionen der Region aus erster Hand kennenzulernen. Zudem haben lokale Betreiber:innen oft ein stärkeres Interesse daran, nachhaltige Praktiken umzusetzen, da sie in enger Verbindung mit der Umgebung stehen.

Ausserdem tragen Sie ebenfalls dazu bei, die Wirtschaft vor Ort zu stärken, indem Sie lokale Märkte und Restaurants unterstützen. So erhalten Sie gleichzeitig ein einzigartiges kulinarisches Erlebnis. Die Entscheidung für lokale Anbieter hilft nicht nur, die Umwelt zu schonen, sondern fördert auch den Erhalt von Traditionen und die Schaffung eines faireren Tourismusmodells.

 


 

Tipp 5: Ressourcen schonen

Ein bewusster Umgang mit Wasser und Energie hilft, wertvolle Ressourcen zu sparen. Deshalb gilt generell – ob im Alltag oder auf Reisen:

  • Duschen Sie kürzer und nutzen Sie Wasser sparsam.

  • Verwenden Sie Klimaanlagen und Heizungen mit Bedacht.

  • Lassen Sie Handtücher und Bettwäsche nur wechseln, wenn es wirklich nötig ist.

  • Meiden Sie wasserintensive Aktivitäten wie Golf oder Pools in trockenen Regionen.

 


 

Tipp 6: Lokales Essen bevorzugen

Importierte Lebensmittel verursachen hohe Transportemissionen, da sie oft über weite Distanzen transportiert werden müssen, was mit erheblichen CO₂-Emissionen verbunden ist. Wenn Sie hingegen regional und saisonal essen, können Sie nicht nur Ihren CO₂-Fussabdruck erheblich reduzieren, sondern auch die frischen, authentischen Aromen der Region entdecken. Ob frisches Obst, Gemüse oder Fisch – jedes Gericht spiegelt die Natur und Traditionen des Landes wider.

Die Wahl von lokal angebauten Produkten unterstützt zudem die lokale Landwirtschaft und Wirtschaft und fördert eine nachhaltigere Nahrungsmittelproduktion.

 

Um das Risiko von Reisedurchfall zu minimieren, empfiehlt sich die Faustregel: «Cook it, boil it, peel it or leave it». Das bedeutet, dass Sie nur gut gekochte oder gegarte Lebensmittel verzehren sollten, rohes Obst und Gemüse schälen oder nur sicher verpackte Produkte konsumieren sollten. Auf diese Weise können Sie die lokale Küche geniessen, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen.

 


 

Tipp 7: Müll reduzieren und nachhaltig konsumieren

Plastikmüll ist eines der grössten Umweltprobleme im Tourismus. Setzen Sie daher auf

  • wiederverwendbare Trinkflaschen, Taschen und Besteck: Achten Sie hier jedoch auf eine hygienische Benutzung, indem Sie Besteck und Trinkflaschen ausschliesslich mit sauberem, abgekochtem Wasser reinigen und regelmässig desinfizieren.

  • Umweltfreundliche Souvenirs – vermeiden Sie Produkte aus bedrohten Tierarten oder Einwegplastik.

 


 

Nachhaltiges Reisen erfordert bewusste Entscheidungen, ist aber keineswegs unmöglich. Es gibt viele individuelle Möglichkeiten, sich für den Klimaschutz einzusetzen, sei es durch die Wahl nachhaltiger Transportmittel, das Reduzieren von Abfall oder die Unterstützung von umweltbewussten Unternehmen. Doch für eine langfristige und wirkungsvolle Verbesserung des Klimas ist es unerlässlich, dass auch Regierungen und Industrien ihren Teil beitragen. Politische Entscheidungen, wie strengere Umweltauflagen und die Förderung erneuerbarer Energien, sowie nachhaltigere Praktiken in der Tourismusbranche sind entscheidend, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen und eine nachhaltigere Zukunft zu sichern.

 

 

Übersicht: Allgemeine Empfehlungen für Öko-Tourist:innen

Nachhaltig reisen Grafik DE-1

Quelle: Unisanté, Universitätszentrum für Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne & Schweizerische Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin (SSTTM)

 

 

Quellen


 

 

 

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