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Neues Zecken-Virus in der Schweiz

Die Zeckensaison hat begonnen und seit Dezember 2022 ist bekannt, dass sich ein neuartiges Zeckenvirus in der Schweiz ausgebreitet hat: das Alongshan-Virus. Was bedeutet das für die Schweizer Bevölkerung? Wir klären auf.

Neues Zecken-Virus in der Schweiz

Die Zeckensaison hat begonnen und seit Dezember 2022 ist bekannt, dass sich ein neuartiges Zeckenvirus in der Schweiz ausgebreitet hat: das Alongshan-Virus. Was bedeutet das für die Schweizer Bevölkerung? Wir klären auf.

Was ist Alongshan?

Das erste Mal wurde das Alongshan-Virus (kurz ALS Virus oder ALSV) 2017 in einem Spital in der inneren Mongolei nachgewiesen. Der Patient wurde von einer Zecke gebissen und wies die typischen Symptome einer FSME Infektion auf. Jedoch konnten weder FSME-Viren noch Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Nach weiteren Tests stellte sich heraus, dass der Patient an dem neuartigen ALSV erkrankt ist. 2019 wurde ALSV zudem in Finnland entdeckt und Ende 2022 schliesslich auch in der Schweiz.

Das Alongshan-Virus gehört zur Familie der Flaviviren, zu der auch das FSME-Virus, das Dengue- und Zika-Virus und viele mehr gehören. Die Symptome scheinen sich meist ähnlich zu präsentieren wie bei einer Erkältung oder zu Beginn einer FSME-Ansteckung:

  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen

Hinhaut- oder Hirnentzündungen sind typisch für FSME, scheinen aber nicht charakteristisch für eine ALSV Infektion. Zudem deuten alle Ergebnisse daraufhin, dass die Krankheit von Zecken übertragen wird, jedoch Mücken als Überträger nicht ausgeschlossen werden können. ALSV-RNA wurde in Stechmücken in der Provinz Jilin im Nordosten Chinas nachgewiesen. Dabei zeigte sich, das diese RNA mit der in den untersuchten Zecken gefundenen RNA verwandt ist.

 

Alongshan-Virus in Schweizer Zecken nachgewiesen

Ein Forschungsteam an der Vetsuiss Fakultät der Universität Zürich hat am 06. Dezember 2022 bekannt gegeben, dass es erstmal ALSV in schweizer Zecken nachweisen und die komplette virale Genomsequenz (Erbinformation) isolieren konnte. Diese ist notwendig, um einen Diagnosetest entwickeln zu können.

Die Zeckenproben wurden in zwischen 2021 und 2022 in verschiedenen Regionen der Schweiz gesammelt, was bedeutet, dass das Zeckenvirus sich bereits seit einiger Zeit in der Schweiz verbreitet. Das ALS Virus wurde sogar häufiger nachgewiesen als das FSME-Virus.

Es gibt allerdings noch keine Daten zur Anzahl von Krankheitsfällen in der Schweiz, denn die Symptome sind sehr Ähnlich wie die einer FSME Ansteckung und das Testen auf ALSV stellte sich als schwierig heraus. Prof. Dr. Cornel Fraefel, Direktor des Virologischen Instituts der Vetsuisse Fakultät an der Universität Zürich, gibt allerdings Entwarnung: Ein plötzlicher Anstieg der Krankheitsfälle sei unwahrscheinlich.

 

Nachweisbarkeit im Blut momentan schwierig

Die erste Wahl um ein Virus im Blut nachzuweisen, ist normalerweise das PCR Verfahren, welches seit der Corona-Pandemie allen ein Begriff ist. Dabei wird das Blut je nach Virus auf RNA oder DNA, also das Virus-Erbgut, untersucht.

Da Viren im Blut oft sehr instabil sind, ist der direkte Nachweis erschwert und eine negative PCR bedeutet nicht zwingend, dass keine Infektion stattgefunden hat. Deshalb arbeitet das Forschungsteam von Prof. Fraefel momentan an einem zuverlässigeren Diagnoseverfahren und auch der Name dieses Verfahrens ist der Bevölkerung mittlerweile bekannt: es wird ein Antikörpertest entwickelt. Dabei wird das Blut auf virusspezifische Antikörper untersucht, welche der Körper produziert, sobald es mit einem Virus in Kontakt kommt. Dieses Verfahren kann oft einfacher und schneller in der Anwendung sein und kann so die Diangostik erleichtern.

Sobald der Test etabliert ist, werden Screenings an Patient:innenproben durchgeführt. Sollten tatsächlich ALS-Virus-spezifische Antikörper oder Nukleinsäuren nachgewiesen werden, werden die Diagnostiklabors in der Schweiz im Rahmen der FSME-Virus-Diagnostik in Zukunft auch auf das ALS-Virus testen.

 

Wie können Sie sich schützen?

Da es aktuell weder ein standardisiertes Nachweisverfahren noch einen Impfstoff gegen ALSV gibt, kann man sich am besten schützen, indem man das Problem beim Ursprung anpackt und versucht Zeckenbisse von Beginn an zu verhindern. Bei einem Ausflug in die Natur, und sei dieser noch so kurz, empfehlen wir lange Kleidung zu tragen und sich mit Mückensprays für Haut- und Kleidung einzusprühen.

Zudem raten wir unbedingt dazu, sich gegen FSME impfen zu lassen oder zu checken, ob die Impfung wieder aufgefrischt werden muss. Auch wenn der FSME Impfstoff nicht für das ALSV entwickelt wurde, sollte man zumindest sicher gehen, dass man sich gegen einen der Viren schützt. Schliesslich möchte man auf keinen Fall an beiden gleichzeitig erkranken.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Ihre FSME Impfung auffrischen müssen oder ob die Impfung für Sie überhaupt in Frage kommt, können Sie sich gerne bei uns beraten lassen. Buchen Sie dafür einen Termin für "Just a Shot".

Mehr Infos zum Schutz vor vor lästigen Bissen finden Sie in unseren Blog-Post Schutz vor Mücken und Zecken.

 

 

 

Referenzen

  1. Wang, Ze-Dong, et al. "A new segmented virus associated with human febrile illness in China." New England Journal of Medicine 380.22 (2019): 2116-2125. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1805068
  2. Kuivanen Suvi, Levanov Lev, Kareinen Lauri, Sironen Tarja, Jääskeläinen Anne J., Plyusnin Ilya, Zakham Fathiah, Emmerich Petra, Schmidt-Chanasit Jonas, Hepojoki Jussi, Smura Teemu, Vapalahti Olli. Detection of novel tick-borne pathogen, Alongshan virus, in Ixodes ricinus ticks, south-eastern Finland, 2019. Euro Surveill. 2019;24(27):pii=1900394. https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2019.24.27.1900394

  3. Stefanie Stegmüller, Cornel Fraefel, Jakub Kubacki. Complete Genome Sequence of Alongshan Virus sequenced from Ixodes ricinus ticks collected in Switzerland. Zenodo (CERN). 6. December 2022. DOI: 10.5281/zenodo.7403328
  4. Mell, Eva. Schweiz Ärzteztg. 2023;103(03):8-9. https://saez.ch/article/doi/saez.2023.21434
  5. UZH News. 07.12.2022. https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2022/Neues-Zeckenvirus.html

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